Drei Tage lang hatte das Reeperbahn Festival alle Hamburger Musikfans fest im Griff. Auf den Bühnen standen dabei eine Menge junger, kaum bekannter Musiker, die durchaus Potential für einen Senkrechtstart haben.
New International Music. Besser kann man das Prinzip des Reeperbahn Festivals nicht ausdrücken. Wert wurde hier vor allem auf alles Neue gelegt. Blutjunge Künstler aus aller Herren Länder waren gekommen, um auf der sündigsten Meile Deutschlands, auf der schon die Beatles den Grundstein für ihre Zukunft legten, zu spielen, zu singen und so richtig zu rocken.
Doch nicht nur Rock erklang in den Clubs - auch Jazz, Akustik, Hip Hop, Elektro und viele undefinierbare Klänge vereinten sich auf dem Festival und verbreiteten gute Stimmung. Überall waren Besucher an ihren Bändchen zu erkennen. Sie sahen sich suchend um, den Tagesplan immer griffbereit. Ständig wurde gecheckt, welche Band als nächstes wo auftritt. Ein wenig hatte dieser Anblick etwas von Klassenfahrtsrallye durch die große Stadt…
Dass das Reeperbahn Festival jungen Bands und Künstlern zu Ruhm, Erfolg und einem Senkrechtstart verhilft, bewies es schon in den letzten Jahren, als sie damals noch unbekannte Gruppen wie Sugarplum Fairy, The Pidgeon Detectives oder Duné unterstützte.
Auch dieses Jahr gab es alleine nur am Samstag wieder einmal viel Neues zu hören. Zugegeben, bei einer so großen Konzentration von Musik erscheinen viele Sounds ähnlich, wenn nicht sogar gleich - doch einige, ein wenig sperrige Künstler stachen aus dieser homogenen Masse doch hervor.
Da waren etwa “Racoon”, die am Samstag auf dem Spielbudenplatz den letzten Festivaltag einläuteten, recht höresnwert. Ab 19:00 zogen sie schon die Massen mit ihrem ruhigen, melodiösen Poprock in die Nähe der Bühne. Die Folk-Einflüsse waren dabei kaum zu überhören, man denke dabei an die Mundharmonika.
Schon um halb acht ging es im D-Club (Docks) heiß her. Die belgischen Newcomer “Mint” boten dem noch etwas zögerlich eintrudelnden Publikum kraftvollen, poppigen Indie-Rock. Die eingängigen Songs hatten definitv Wiedererkennungswert.
Fernab von der Reeperbahn lag noch das Knust. Obwohl doch einige Gehminuten vom Herz des Festivals entfernt, hinderte es Fans nicht daran, die Location bis zum letzten Zentimeter zu füllen. Der Grund: Ane Brun, die charmante Schwedin mit Norwegischen Wurzeln. Ihre Musik ist bis zum letzten Ton raffiniert tiefgründig, die ruhigen und leisen Melodien schweben in jedes Ohr. Die Akustik-Songs bestachen mit melancholischen Harmonien, wobei leichter, sehr leichter Folk-Einfluss zu hören war. Eine Künstlerin, die in Skandinavien schon ein Star ist und nun auch in Deutschland ganz sicher nicht unbekannt bleiben wird.
Von José James, der mit seinem lässigen Jazz die Leute im Mandarin Kasino zum Schwärmen brachte, werden wir sicherlich auch noch viel hören. Er bewies, dass Jazz nicht nur von genialen alten Musikern, sondern auch von genialen jungen Musikern gemacht werden kann, und dabei nicht minder gut klingt. Mit sexy Stimme und coolen Songs nahm er seine Zuhörer ein.
Diese und noch viele Künstler mehr, etwa Quit Your Day Job, Herrenmagazin, Nada Surf, Maria Taylor, Disco Ensemble, Slut oder I’m From Barcelona schufen beim Reeperbahn Festival eine einzigartig verrückte Atmosphäre, in der jeder Musik- und Konzertliebhaber sich einfach nur wohlfühlen musste! Schade eigentlich, dass man nicht gleichzeitig in mehreren Locations sein konnte.
28. September 2008 | Autor: Redaktion | Kategorie: Musik und Konzerte
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