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Mit “Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit” schafft Konstantin Graudus im Schmidt Theater den Spagat zwischen unkonventionellem Sexualtherapie-Seminar und Mitmach-Kabarett.

Ein Summen geht durch den Raum. Mal sanft und hoch von links, mal als Brummen in Bass-Tonlage von rechts. Nein, es geht hier nicht um das Paarungsritual von Wespen - sondern um das Seminarkabarett “Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit“. Das Erfolgsprogramm von Sexualtherapeut und Kabarettist Prof. Bernard Ludwig wird für zwei Aufführungen im Hamburger Schmidt Theater vom bekannten Schauspieler Konstantin Graudus übernommen.

Schon die Platzaufteilung überrascht so manchen Gast: Frauen gehören nach links, Männer nach rechts ins Publikum. Nun sitzen sie brav und streng nach Geschlechtern getrennt im Saal und lauschen gespannt Graudus’ Ausführungen. Dieser ist von Anfang an hochmotiviert und erklärt im ersten Teil der Aufführung, was genau bei Paaren zur sexuellen Frustration führen kann. Dazu stellt er zunächst eine schlüssige Formel für sexuelle Unzufriedenheit auf. Doch dabei bleibt es nicht: Graudus malt mit der Euphorie eines jungen Dozenten Orgasmustorten an die Tafel, veranschaulicht mit Grafiken das Dilemma der Partnersuche, verhilft dem Publikum zur mentalen Re-Ejakulation und erklärt: “In der heutigen Gesellschaft sind wir oversexed und underfucked.”

Ein eigentlich ernstes und tiefgründiges Thema, humoristisch aufgearbeitet. Mit lustigen Beispielen und frechen Sprüchen garniert er Ludwigs Theorien - das Publikum johlt vor Lachen. Doch damit nicht genug: Graudus integriert sein Publikum in das Seminarkabarett: quasi als “anonyme Umfrageteilnehmer” sollen Zuschauer bei pikanten Fragen summen, wenn sie einer These zustimmen.

Damit auch niemand Hemmungen hat ehrlich zu sein, wird bei besonders problematischen Fragen einfach das gesamte Saallicht ausgeschaltet. Wie etwa bei: “Wären Sie in Ihrer fester Beziehung einem Seitensprung nicht abgeneigt?”

Es ist ein einstimmiges Summen von der rechten Männerseite zu hören. Aus dem linken Eck tönt daraufhin eine empörte Frauenstimme: “Stefan, bist du das??!!”

Es sind recht interessante Thesen, und abgesehen vom lustigen Unterton machen sie auch nachdenklich: Zum Beispiel hätte die Mehrheit der Frauen im Publikum gerne wenigstens einmal am Tag Sex - Die Mehrheit der Männer hingegen masturbiert lieber täglich.

Im zweiten Teil der Vorstellung wird nicht mehr nur über das Problem gesprochen - es wird angegangen. Das “Sexual Healing” beginnt. Wie heilt man am Besten sexuelle Unzufriedenheit? Nun, einige der Tipps sind nicht gerade neu: “Reden Sie mit Ihrem Partner!”

Andere hingegen, wie die Lösung des “Pissoir-Effekts” (eingebildete Kleinschwänzigkeit) bieten völlig neue Perspektiven: “Hängen Sie mal einen Stift da unten hin. Von oben sieht er ziemlich mikrig aus. Positionieren Sie den gleichen Stift jedoch mal neben sich, wirkt er optisch gleich viel größer!”

Der wohl wirksamste Rat Graudus’ ist jedoch, Orgasmusprobleme, Flauten im Bett und ähnliche Sorgen nicht so verkrampft zu sehen: “An sexuellen Problemen ist niemand gestorben.” Ein beherztes Lachen, wie oft in der Vorstellung zu hören, wirke Wunder.

„Man soll sich irgendwann nicht mehr ganz sicher sein, ob man in einem Kabarett, in einem Seminar oder in einer lösungsorientierten Kurzzeittherapie sitzt”, sagte Prof. Bernhard Ludwig über die „Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit“.

Idealerweise besucht man “Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit” mit seinem Partner, wird gut unterhalten und sieht anschließend die Vorgänge im heimischen Schlafzimmer ein wenig lockerer.

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6. Oktober 2008 | Autor: Anna Aridzanjan | Kategorie: Kultur

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