Gestern demonstrierten zehntausende Schüler bundesweit für bessere Bildung: sie wollen kleinere Klassen, mehr Lehrer, kostenlose Bildung und Abschaffung des “Turbo-Abiturs”. Auch in Hamburg gingen über 6000 Schüler für gute Bildung auf die Straße.
Ausnahmezustand in der Hamburger Innenstadt, gestern gegen Mittag: Vom Gänsemarkt bis zum Hauptbahnhof war das Zentrum verstopft mit Schülern. Straßen waren gesperrt, der HVV Busverkehr wurde umgeleitet.
Autofahrer fluchten, Busfahrer schwitzten, die Passagiere seufzten.
Der Grund: der große Schülerstreik, der parallel in mehreren großen deutschen Städten veranstaltet wurde.
Insgesamt gingen mehrere zehntausend Schüler auf die Großdemos. Die genauen Zahlen variieren natürlich, je nach Berichterstatter. So schreibt Welt Online von 70.000 jugendlichen Demonstranten in ganz Deutschland;
einer der Organisatoren des Streiks, schulaction.org spricht über 100.000 Schülern;
die Nachrichtenagentur afp nennt sogar rund 125.000 Demonstranten.
Laut Hamburger Abendblatt wurde der bundesweite Schülerstreik von der Partei “Die Linke” unterstützt.
Dabei haben die Schüler viel auf sich genommen, um protestieren zu können: die meisten riskierten gar einen Eintrag ins Klassenbuch und unentschuldigte Fehlstunden. In vielen Schulen wurde jedoch ein Auge zugedrückt, so mancher Lehrer begleitete seine Klasse sogar zum Streik.
Die Forderungen: bessere Bildungsqualität, kleinere Klassen, mehr Lehrer, Abschaffung des sogenannten “Turbo-Abiturs” und kostenlose Bildung.
Das Hamburger Abendblatt zitiert in diesem Zusammenhang Schulsenatorin Christa Goetsch (GAL), die behauptet, einige Forderungen der Schüler seien in Hamburg bereits in der Umsetzung.
Beispiele dafür gibt es genug: Im Zuge der Hamburger Schulreform soll vieles an der Schulsituation verbessert werden.
An den Hamburger Grundschulen (künftig Primarschulen) etwa gelten die Höchstgrenzen von 25 Schülern pro Klasse, in sozialen Brennpunkten dürfen es sogar nicht mehr als 20 sein.
Hamburg hat zudem Anfang des Schuljahres zusätzliche 116 Lehrerstellen geschaffen um so die Idee der kleineren Klassen umzusetzen.
Was die kostenlose Bildung betrifft: Zwar wird das Büchergeld, das Eltern seit 2003 an die Schulen ihrer Kinder zahlen müssen, nicht abgeschafft - doch dafür gibt es Bewegung bei den Studiengebühren. Die müssen nicht mehr Anfang des Semesters bezahlt werden, sondern erst nach Ende des Studiums.
Das sogenannte “Turbo-Abitur“, als Abiturprüfung nach 12 Schuljahren, bleibt an Hamburger Gymnasien weiterhin bestehen - an Hamburger Gesamtschulen (künftig Stadtteilschulen) sind es immernoch 13 Jahre.
13. November 2008 | Autor: Anna Aridzanjan | Kategorie: Bildung
Folge uns auf auf Twitter und verpasse keine News und sonstige Informationen rund um Hamburg: hamburg_life
Mit chmok.net kannst du an deine Freunde virtuelle Küsse verschicken.