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Nach der ersten Schließung eines Restaurants (TessaNova in Leipzig) bei der VOX-Sendung “Mein Restaurant” steigt der Druck bei den übrigen Teams erheblich. Wir haben mit Conny Graurock vom Team Hamburg über Kamerapräsenz, Mutter-und-Sohn-Verhältnis und Kochen als Gemeinschaftlichkeit geredet.

Conny, die allererste Entscheidung in der Sendung „Mein Restaurant“ ist schon gefallen: Das Leipziger Lokal TESSANOVA musste seine Türen für immer schließen, die GRINSEKATZE in München darf vorerst weitermachen. Was fühlst du persönlich dabei?

Ich persönlich mag ja Toby und Anna vom Team München menschlich sehr gerne, finde aber nach wie vor das Leipziger Konzept vom Inhalt und Statement her einfach nur wunderbar. Ich würde mir wünschen, dass Susann und Markus sich vom Ausscheiden nicht beirren lassen, sondern weitermachen. Darauf freue ich mich und bin gespannt.

Gab es einen kleinen Moment der Freude, dass ihr endlich einen Konkurrenten weniger habt? Oder ist im Gegenteil der Druck erheblich gewachsen?

Just im Moment der Nominierung wurde mir zum ersten Mal richtig bewusst, dass einer geht. Vorher waren fünf Kanditatenpaare, die sich mehr oder weniger regelmäßig gesehen und miteinander mitgefiebert haben – und plötzlich wird klar: es ist nicht alles nur ein Traum, irgendwann wird es auch richtig ernst.

(c) Foto: VOX / Markus Hertrich

(c) Foto: VOX / Markus Hertrich

Worin unterscheidet sich das Graurocks denn von den anderen teilnehmenden Restaurants?

In unserem Konzept: bei uns steht Kochen nach wie vor im absoluten Mittelpunkt. Die Küche wiederum kommuniziert mit der Kunst an den Wänden. Die schafft zum Einen Wohlfühlatmosphäre, zum anderen gibt es den Gästen Gesprächsthemen.

In einigen vergangenen Sendungen wurden viele Personalprobleme gezeigt. Was genau war vorgefallen, und wie habt ihr alles letzten Endes gelöst?

Ein sich drehendes Personalkarussell gab es nicht nur im Graurocks, sondern auch an allen anderen Standorten - mal im Fernsehen sichtbar, mal unsichtbar.
Man muss bedenken: wir hatten das Personalcasting am 17. Oktober und mussten nur zehn Tage später eröffnen – daran sieht man, wie sehr sich die Show von der geschäftlichen Realität unterscheidet: wenn ein Restaurant eröffnet wird, ist normalerweise der Vorlauf für die Personalsuche etwas größer.
Hinzu kommt, dass dieses Projekt für noch für viele eben genau das ist: ein Projekt. Wir sind ja noch nicht sicher, ob wir gewinnen. Natürlich wussten die Mitarbeiter genau, worauf sie sich hier einlassen, aber solche Mitarbeiter müssen erst einmal gefunden werden, die auf diesen fahrenden Zug aufspringen.
Das war auch unsere Hauptaussage während der Personalcastings: „Es ist wundervoll, dass ihr dabei sein wollt, aber gebt um Himmels willen nicht euren guten Job deswegen auf, ohne zu wissen, ob es gutgeht. Wenn ihr aber trotzdem dabei sein wollt, können wir gerne noch einmal sprechen, nachdem wir gewonnen haben.“
Ich bin auch überzeugt davon, dass viele kompetente Kräfte sich einfach nicht bei uns beworben haben, weil sie Angst hatten: vor den Kameras und dem ständigen Stehen in der Öffentlichkeit.
Die permanente Anwesenheit der Kameras hier darf man nicht unterschätzen – da herrscht schon ein subtiler Druck.

Weil man sich immer beobachtet fühlt?

Auch, aber weniger – eher, weil viele Abläufe aus kameratechnischer Sicht sehr oft wiederholt werden müssen, bis man die Szene perfekt im Kasten hat. Wenn dann gleichzeitig die Küche ruft, der Gast auf sein Essen wartet und trotzdem dieser eine Teller zum x-ten Mal für die Kamera hingelegt werden muss, wird es für uns und unser Personal manchmal schwierig – dem Druck ist der ein oder andere vielleicht nicht gewachsen.
Dann sollten die Menschen auch zu ihren Schwächen stehen – damit zeigen sie große Stärke.

Wenn wir über Schwächen reden, stellt sich die Frage, welche deine größte Schwäche ist.

(Lacht.) Meine größte Schwäche ist meine konsequente Inkonsequenz, wie ich so schön sage. Außerdem habe ich einen sehr großen Toleranzradius, der mir selbst manchmal nicht so gut bekommt. Aber so bin ich nun einmal.

Gab es besonders schlimme Momente, in denen du dachtest: „Jetzt ist mir alles egal, ich gebe auf“?

Ja, letztens erst gab es einen richtig großen Krach zwischen Hannes und mir. Der Grund für so einen riesigen Streit war die feine Problematik bei unserem Projekt: wir sind nicht nur Mutter und Sohn, wir sind auch Geschäftspartner. Das muss man in so einem gemeinsamen Unternehmen trennen können. Für ihn war ich in dem Moment anscheinend eher die Mutter, und so ist es eskaliert.
Für mich war das ganz schlimm, denn ich habe keine Verbindung mehr zu ihm gespürt und dachte: Wenn ein solches Herzband weggeht ist ein Restaurant das nicht wert.

Und wie habt ihr wieder zueinander gefunden?

Hannes war immer ein wenig bockiger als ich, schon von klein auf. Und wenn er dann seine fünf Minuten Auszeit hatte, reichte das eigentlich auch wieder, um ihn zu beruhigen. Und diesmal habe ich – für mich sehr untypisch - gewartet, bis er von sich aus auf mich zukommen würde – und er kam tatsächlich. Dann saßen wir zusammen und klärten in aller Ruhe die Probleme, die sich in der ganzen Zeit aufgestaut hatten: wer wofür im Restaurant zuständig ist. Welche Erwartungen wir haben. Ob wir noch unser Ziel verfolgen, oder ob gerade unter uns etwas wegbricht. Das hat sehr gut getan und wir haben sozusagen die Kuh vom Eis wieder ins Restaurant geholt.

(c) Foto: VOX / Markus Hertrich

(c) Foto: VOX / Markus Hertrich

Um nach den schlimmen Momenten zu den guten zu kommen: was war der schönste Moment für euch?

Eigentlich ist jeder Tag wunderschön. Wenn ich morgens hier hereinkomme und sehe wie alles vorbereitet wird – dann weiß ich:
Da steckt soviel Blut und Schweiß drin.
Und wie schön das alles ist. Wie schön es ist, wenn es noch leer ist; wenn dann um 12 Uhr die ersten Gäste kommen; wenn schließlich abends das Lokal voll ist.
Was uns besonders viel bedeutet sind Gäste, die um 18 Uhr kommen und nicht um 20 Uhr sofort nach Hause gehen, nachdem sie mit dem Essen fertig sind - bei uns bleiben sie.
Mehr Lob und Anerkennung geht gar nicht. Deswegen ist jeder Tag für uns immer wieder der neue schönste Moment.
(Conny seufzt tief. Tränen glänzen in ihren Augen.)
Was mich auch immer wieder fasziniert ist der Prozess des Wachsens – speziell bei meinem Sohn. Wenn ich innehalte und realisiere, was Hannes mit gerade einmal 22 Jahren für einen Weg gemacht hat: Vom Koch, zum Chefkoch, zum Restaurantinhaber… das macht mich als Mutter ziemlich stolz.

Die Jury lobt ganz besonders das Essen im Graurocks. Was kann man deiner Meinung nach sonst verbessern?

Die Abläufe im Service müssen in jedem Fall besser werden. Ich komme selbst ja nicht aus der Gastronomie und habe mir leider wieder einen Fehler erlaubt: ich räumte ab, und sagte natürlich in der Küche nicht Bescheid, dass der nächste Gang folgen kann. Und da wundern wir uns manchmal noch, warum einige Gäste länger auf ihr Essen warten?
(Lacht herzlich.)
Peinlich. Ich will gar nicht überlegen, wie viel davon auf mein Konto geht…
Was wir noch verbessert haben, ist eine neue Fachkraft, die am Tresen arbeitet und wir haben die Aufgaben innerhalb des Teams neu strukturiert.
Außerdem veranstalten wir am 22. November ein Special: es wird ein Drei-Gänge-Menü mit integrierter Modenschau geben. So wollen wir unserem Stil und unserem Konzept treu bleiben und sowohl dem Gaumen, als auch dem Auge etwas bieten.

Mit diesem Erfolgsrezept wollt ihr natürlich auch gewinnen. Gegen welches Team würdet ihr im Finale am liebsten antreten?

Die größte Herausforderung für uns wäre mein Lieblingsteam Toby und Anna aus München, weil sie, ähnlich wie Hannes und ich, einen starken Zusammenhalt haben. Sie lassen sich durch nichts beirren und bleiben natürlich und authentisch.
Außerdem kämpfen sie, genauso wie wir: wir haben mit viel Blut und Schweiß die Deckenwände herausgerissen, sie haben ihre Hocker zusammengetackert – das sind Kleinigkeiten, aber die schweißen uns als Teams zusammen.

Gegen wen würdet ihr am Leichtesten gewinnen?

Für uns wäre das Team Köln mit dem Copa Room leicht zu schlagen. Nichts gegen Kay und Bita persönlich – aber das Copa Room ist in meinen Augen einfach kein Restaurant. Eher eine wunderbare Lounge, in die ich nach einem Theaterbesuch oder einem Konzert gehen würde.
Wir sind hier aber nicht bei der Sendung „Meine schönste Bar“, sondern „Mein Restaurant“.

Die Show wird immer mehr zu einem Städtewettkampf – und ganz Hamburg fiebert für euch mit. Was verbindet dich persönlich mit Hamburg?

Sehr viel – obwohl ich nicht hier geboren, sondern Wahlhamburgerin bin, habe ich eine tiefe Bindung zu dieser Stadt. Und wenn ich mal eine längere Zeit weg war und wiederkomme, merke ich, wie sehr mir Hamburg gefehlt hat. Und auch die Anteilnahme der Menschen hier, wie sie mitfiebern, wie sie uns die Daumen drücken, berührt mich.

(c) Foto: VOX / Markus Hertrich

(c) Foto: VOX / Markus Hertrich

Dein Sohn Hannes ist der Herr der Küche im Graurocks – und zu Hause? Bekocht da der Sohn auch die Mutti, oder ist es ganz traditionell? Wie sieht es mit deinen Kochkünsten aus?

Ich sage immer: Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum – irgendwo muss Hannes das Kochen ja her haben.
Bei uns zu Hause gab es schon immer ein festes Ritual, dass wir zu Hause mit den Kindern gekocht haben – wir haben Essen und Kochen regelrecht zelebriert.
Beim Kartoffelschälen etwa konnten wir über den Alltag reden - und die Sorgen landeten zusammen mit dem Abfall in der Mülltonne.
Hannes ist dadurch in die Gemeinschaftlichkeit des Kochens gewachsen und war schon früh derjenige, der seinen eigenen Kuchen backen wollte. Ich glaube, sein erstes selbstgemachtes Gericht war Börn un Klüt, also eine Birnensuppe mit Klößchen.
Mit 13 stand für ihn dann fest, dass er Koch werden wollte.
Und wenn wir jetzt nachts nach Hause kommen, ist er derjenige, der mich bekocht.
(Conny schmunzelt.)
Dabei muss ich aber aufpassen, denn um halb ein Uhr nachts von seinem leckeren Essen nicht die Finger zu lassen – das macht mich irgendwann noch ganz dick…

Mit welchem Essen kann dein Sohn dich denn besonders glücklich machen?

Ganz simpel: Gulasch mit Brot und Salzgurken - mehr brauch’ ich nicht. Gute, solide, gediegene Küche schmeckt mir einfach.

Das Prinzip der Show ist ja eigentlich grausam: von den fünf mühsam aufgebauten Restaurants bleibt nur noch eines übrig, der Rest muss dicht machen. Was hat euch dennoch bewegt, mitzumachen?

Hannes träumte als Koch immer von einem eigenen Restaurant, doch um das zu verwirklichen, hätte ich das Geld nie aufbringen können. Daher sehen wir die Vox-Sendung immer positiv als eine Chance, als einen Goldregen, der vom Himmel fallen kann, aber nicht muss. Die Chance, mit finanzieller Hilfe das eigene Konzept in der Gastronomie umzusetzen, hat man nicht oft im Leben.

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22. November 2008 | Autor: Anna Aridzanjan | Kategorie: Interviews

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9 Kommentare zu “Konsequente Inkonsequenz - Interview mit Cornelia Graurock”

  1. Heidi am 24. November 2008 um 10:12 Uhr

    Ich drück Euch von ganzen Herzen beide Daumen
    das am Ende das Graurocks als Gewinner hervorgeht.

  2. Dirk am 26. November 2008 um 19:39 Uhr

    Conny und Hannes - ungeschminkt geschmackvoll!
    Viel Glück… und immer ein volles Haus in 2009 ;-)

  3. bea am 26. November 2008 um 20:13 Uhr

    Ihr seid für mich schon die Gewinner. Eure Herzlichkeit und euer Herzblut sind enorm.
    Ich wünsche euch viel Gück und beibt so wie Ihr seid.

  4. Ilka am 28. November 2008 um 21:35 Uhr

    Hallo Conny und Hannes,

    wir waren vorgestern bei euch und es war wundervoll! Das Ambiente und das Essen, einfach Klasse!

    Ich drücke euch die Daumen das ihr gewinnt!

    Ilka

  5. Graurocks veranstaltet Tag der offenen Tür - Hamburg Magazin - Hamburg - hh-life.de am 29. November 2008 um 09:22 Uhr

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  8. thomas am 12. Dezember 2008 um 23:00 Uhr

    Conny und Hannes - so ziemlich die unsympathischte und bizarrste mutter-sohn beziehung. die freundin von hannes, wenn er bei der mutter je eine bekommt, schläft in einem extra zimmer. conny und hannes schlafen dann in einem zimmer. statt “graurocks” hätte ich das restaurant “inzest” genannt

  9. Florian am 13. Dezember 2008 um 15:10 Uhr

    @thomas
    deine aussagen sind armsellig. wie kann man nur die dreistigkeit besitzen und leute, die man noch nie persönlich getroffen hat und die einem nichts getan haben, dermaßen beleidigen? dieses verhalten kann man wirklich als asozial bezeichnen. und es spricht dafür, dass du sonst nichts anderes zu tun hast, als auf niveauloseste weise leute zu beleidigen.


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