Ein Wochentag im Juni. Höchste Zeit für hh-life.de, wieder ein Restaurant in Hamburg zu testen. Wir entschieden uns für das Restaurant Oktober im Schanzenviertel. Die kleine Kette hat drei Lokale in Hamburg: neben dem Restaurant in der Nähe der U-Bahn Feldstraße (Neuer Pferdemarkt 15-16) gibt es noch jeweils ein Oktober-Restaurant in Barmbek und in Harburg.
Gegen 20 Uhr wollten wir im Oktober Schanze ein spätes Abendessen einnehmen. Das Oktober am Neuen Pferdemarkt ist eine schöne Location, mit riesiger Fensterfront und einer großzügigen Außenterrasse, um bei gutem Wetter in Biergartenmanier auch draußen seine Speisen und Getränke einzunehmen.
Wir nahmen im Innenraum Platz. Geschmackvoll eingerichtet soll es ein wenig an ein luxuröses “Wohnzimmer” erinnern, mit einer Sofa-Ecke mit passendem Couchtisch, einem separatem Raucherbereich und einigen Tischen, von denen einige leider unvorteilhaft in einer Art “Durchgang” platziert sind. Da nur noch diese frei waren, mussten wir also mit “Flur-Atmosphäre” Vorlieb nehmen.
Eines der Nachteile eines solchen Platzes: das Service-Personal sieht die Gäste dort nicht so gut. Es dauerte also eine ganze Weile, bis der Kellner, offensichtlich etwas gehetzt - trotzdem immernoch freundlich - die Speisekarten verteilte und mit einem “Bin sofort wieder bei euch!” verschwand.
Die Speisekarte wurde mit einem Zettelchen gereicht. Darauf die Empfehlungen des Monats, welche nicht im “Dauersortiment” angeboten werden. Die Speisen lasen sich auf dem Spezialmenü wirklich verlockend. Und auch in der Speisekarte wurden wir vom großen Angebot an Vorspeisen, Suppen, Salaten, Snacks, Pasta, Pizza, Fleischgerichten, Fischgerichten, Deftigem, Sandwiches und Dessert fast erschlagen.
Riesige Auswahl also - fast zu riesig! Denn vermutlich jeder Gast braucht erst einmal eine längere Zeit, die Karte nur zu studieren, geschweige denn sich für etwas zu entscheiden.
Wir beschlossen, es langsam anzugehen und erst einmal die Getränke zu bestellen, bis jeder für sich die perfekte Speise gewählt hatte. Doch wo war bloß der Kellner? In Hörweite schien er jedenfalls zu sein, charmant bediente er diverse andere Gäste, raste durch Restaurant hin und her. Schließlich fand er dann doch ein Minütchen, um die Getränkewünsche aufzunehmen.
Die Getränke wurden geliefert (was seine Zeit brauchte - wir vermuteten sogar, dass der Kellner anscheinend zu dem Zeitpunkt die einzige Servicekraft im gesamten Lokal war): ein Hefeweizen und eine großes Glas Cola. Beide Gläser waren nass (kein Wunder, die Getränke waren ja auch kalt). An sich nichts Ungewöhnliches, doch leider wurde damit auch der Tisch ziemlich feucht - mit Untersetzern wäre es offensichtlich besser gewesen. Als Notlösung mussten die kleinen gelben Zettelchen dienen, auf der normalerweise Gäste nach ihrem Aufenthalt das Lokal bewerten können. Na wenn das kein Omen war…
Als die Getränke also da waren, hatten wir uns auch endlich für zwei Gerichte entschieden. Meine Begleitung nahm Lammkoteletts mit Champignon-Zwiebel-Paprika-Gemüse und Bratkartoffeln von der Monatskarte, während ich mich dazu entschloss mich durch den großen “Oktober-Teller” zu probieren. Dieser bestand aus Spare Ribs, Chicken Wings, 2 Chili-Poppers, Pommes frites, Mini-Schnitzel, Salat und BBQ Sauce. Die Fleischeslust sollte doch wohl damit gestillt werden, so hofften wir.
Kurz nach der Essensbestellung erschien unser Kellner in einem Eiltempo, schleuderte uns flugs zwei kleine Brötchen und ein Schälchen Ajoli auf den Tisch und verschwand so flink, wie er gekommen war. Klar, in einem Restaurant sollte es schnell gehen, aber die Schnelligkeit tauchte irgendwie an der falschen Stelle auf.
Die Brötchen (handelsübliche, weiche Weizenbrötchen) waren in Ordnung, die Ajoli wirklich sehr schmackhaft. Gut, um die Zeit bis zum Essen zu verkürzen und den ersten kleinen Hunger zu stillen.
Kurze Zeit später sollte der kleine Salat vorweg kommen: Der Kellner kam erneut angerannt (!), knallte zwei Teller mit Salat an den Rand (!) des Tisches und sauste wieder von dannen. Schade, dass er noch nicht einmal die Zeit hatte, die Salate ruhig vor dem Gast zu platzieren.
Die Salate: ein kleiner, unspektakulärer Mix aus Eisbergsalat, Mais, Tomaten, Gurken und Zwiebeln mit einem Klacks American Dressing darauf. Zur Salatportion lässt sich soviel sagen: die Teller hatten gerade einmal die Größe von Untertassen. Schmeckte ganz gut, war nichts Besonders und hätte wirklich liebevoller angerichtet werden können.
Wir fragten uns im Stillen, ob die Hauptgerichte genauso gehetzt serviert werden würden. So kam es schließlich auch. Immerhin: der Kellner nahm sich wenigstens Zeit, um kurz zu fragen, welches Gericht denn für wen war. Schwupps, wieder abgeliefert und weg war er.
Die Portionen schienen ausreichend: Die Lammkoteletts waren nett angerichtet mit reichlich Bratkartoffeln und gebratenem Gemüse; der Oktoberteller war ebenfalls groß und bestand aus einem ansehnlichen Stück Spare Ribs, einem sogenannten Minischnitzel (so “mini” war das gar nicht),vier Chicken Wings, zwei panierten “Chili Poppers”, ganz viel goldenen Pommes Frites und einem Schälchen Sauce, welches in der Karte als Barbeque Sauce beschrieben worden war.
Die Pommes schmeckten, keine Frage. Sie waren gut frittiert, nicht zu fettig und auch die Menge war mehr als genug. Die Spare Ribs waren ganz ordentlich mariniert, doch anscheinend etwas zu lange gegart, denn saftig ist etwas anderes. Dann waren die Chicken Wings an der Reihe. Mein erster Gedanke: Tiefkühlprodukt aus dem Supermarkt. Mein zweiter Gedanke: trotzdem nicht schlecht, besser als die Spare Ribs. Nun gut, bei TK-Wings kann man nicht viel falsch machen. Das Schnitzel sah zwar sehr gut aus - doch der Schein trügte. Noch nie hatte ich ein so staubtrockenes Schnitzel gegessen. Dicke Panade, nicht viel darin. Und dieses “nicht viel” dann auch noch sehr lange gebraten, wie es schien.
Nun zur sogenannten Barbeque-Sauce: handelsüblicher Ketchup ist nicht gleich BBQ-Sauce, nur damit das klar ist. Leider hatte ich jedoch nur Ketchup vor der Nase.
Bevor ich die “Chili Poppers” probieren konnte, warf ich einen kurzen Blick auf meinen Begleiter. Mit angestrengtem Gesichtsausdruck mühte er sich damit ab, das Fleisch der Lammkoteletts in mundgerechte Happen zu schneiden. Das Lamm war viel (!) zu trocken geraten, ließ sich kaum schneiden, geschweige denn kauen. Entweder, es wurde zu lange gegart, oder das Fleisch war einfach vor der Zubereitung zu alt gewesen. Nicht, dass es irgendetwas hätte rausreißen können, doch: das Stück Schuhsohle war noch nicht einmal gut gewürzt.
Die Bratkartoffeln daneben schmeckten zwar gut, waren aber wiederum zu weich und hatten eher die Konsistenz von verkochten Salzkartoffeln. Lediglich die Champignons konnten bei meinem Begleiter geschmacklich wirklich punkten.
Die Chili Poppers - eine frittierte Frischkäse-Chili-Mischung in Panade - schmeckte fad und nichtssagend. Und normalerweise ist Chili doch auch scharf, oder?
Auf unsere Nachfrage stellte sich heraus, dass das Personal an jenem Abend unterbesetzt und unser Kellner tatsächlich ganz allein für alle Gäste und zusätzlich die Bar verantwortlich war. Schade, denn er war wirklich sehr nett und charmant, doch leider hat die Unterbesetzung zur Folge, dass er sehr wenig Zeit hatte und so gehetzt wirkte, dass so mancher Gast sich vielleicht hätte unwillkommen oder überflüssig fühlen können. Dem armen jungen Mann tat dies auch sehr Leid und er kann weiß Gott nichts dafür - trotzdem: Wohlfühlfaktor daher gleich null.
Zum Abschied schlug der Kellner uns vor, irgendwann das Oktober erneut zu besuchen - damit wir uns überzeugen können, dass unsere Kritik angekommen ist und die Vorschläge umgesetzt wurden.
Kommen wir wieder? Vielleicht.
22. Juni 2009 | Autor: Anna Aridzanjan | Kategorie: Essen und Trinken
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