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Sie hat einen langen Tag hinter sich, als Elite Model Look Jurorin Sandy Meyer-Wölden nach mehreren Stunden Casting in Hamburg sich nun Zeit für die Presse nimmt.

Eigentlich hätte sie schon vor einer Stunde Mittagspause machen müssen, denn es soll danach weitergehen mit dem Casting, bei dem junge Mädchen zwischen 14 und 20 Jahren ausgewählt werden um am Model Contest 2009 teilzunehmen.

Sie ist müde. Und hungrig. Trotzdem steht sie tapfer lächelnd in ihren 10cm hohen Pumps vor den Kameras, Mikrofonen, Diktiergeräten und Notizblöcken der Medienvertreter. Freundlich beantwortet sie alle Fragen, lässt sich von allen Seiten fotografieren und filmen, erfüllt zwischendurch Autogrammwünsche der Fans.

Sandy Meyer-Wölden ist in diesem Moment begehrter als Heidi Klum. Was vielleicht daran liegt, dass die blonde, zierliche Ex-Verlobte von Boris Becker plötzlich die Freundin von Komiker Oliver Pocher ist. Doch sie ist jetzt nicht im Quarree Wandsbek in Hamburg, um darüber zu reden.

(c) Foto: Christoph Ewering

(c) Foto: Christoph Ewering

Ihr Job heute: neben Sergio Bongiovanni (Chef von Munich Models) und Frank Luitz (Marketing des elite-Premium-Partners Rowenta) die Schönsten Hamburgs zu wählen, von denen drei als Finalistinnen in Berlin am nationalen Finale des Elite Model Look teilnehmen werden.

Ihr kommt es gerade Recht, dass sie sich für unser Interview wieder an den Jurorentisch setzen darf.
Gar nicht ausführlich erklären, einfach anfangen!

Also legen wir schnell mit dem Interview los, damit Sandy noch genügend Zeit für ihr Mittagessen hat, bevor es weitergeht.

hh-life.de: Frau Meyer Wölden, es ist gerade Casting-Halbzeit in Hamburg. Sie haben sich zusammen mit Ihren Jury-Kollegen sehr viele Mädchen angeguckt. Was sagen Sie zum bisherigen Verlauf?

Sandy Meyer-Wölden: Erst einmal finde ich es schön, dass hier in Hamburg soviele Mädchen gekommen sind. Bis jetzt sind es 100 Anmeldungen, das ist soweit die höchste Bewerberzahl der jeweiligen Städtecastings. Wir haben erst einmal 20 Teilnehmerinnen ausgesucht, von denen wir drei auswählen werden, die am Finale am Berlin teilnehmen. Die Mädchen, die wir in die nächste Runde geschickt haben, besitzen alle durchaus Potenzial.

Sie sind ja selbst Model, haben für namhafte Kampagnen Shootings gemacht und sind in aller Welt auf Fashion Shows gelaufen. Wie fühlt es sich für Sie persönlich an, Mädchen zu beurteilen, die denselben Traum hegen wie Sie es früher getan haben?

Es ist sehr interessant ausnahmsweise auf der anderen Seite zu stehen.
Ich bin es ja andersherum gewohnt: auf Castings gehen und auch mal ein Nein zu hören zu bekommen.
Von daher sehe ich mich jetzt bei diesen Castings nicht als Autorität sondern eher als Person, mit der sich die Mädchen identifizieren und vergleichen können. Ich möchte die Teilnehmerinnen beraten und ihnen wertvolle Tipps mit den auf den Weg geben, als nur stur zu bewerten: du bist gut und du bist mies.
Ich bin ja nicht hier, um die Mädchen schlecht zu machen, sondern ich will einfach nur ehrlich sein und meine vielleicht hilfreiche Meinung abgeben. Deswegen nehmen wir uns für jede Teilnehmerin, die vor uns auf dem Catwalk läuft, genügend Zeit. Wir besprechen mit jedem Mädchen, wie es auf uns gewirkt hat, und was vielleicht nicht ganz in Ordnung war. Wir fertigen niemanden schnell ab.

(c) Foto: Christoph Ewering

(c) Foto: Christoph Ewering

Haben Sie Mitleid mit den Model-Anwärterinnen, bei denen die Entscheidung sehr knapp und zu ihren Ungunsten ausgefallen ist, beispielsweise wenn sie nur einen Zentimeter zu klein waren oder einen sehr speziallen Typ verkörperten?

Natürlich. Es macht keinen Spaß, Absagen zu erteilen und einem Mädchen, der die Hoffnung ins Gesicht geschrieben steht, “nein” zu sagen.
Aber auf der anderen Seite ist es eine gute Lebenserfahrung: denn nur weil sie es bei uns und konkret bei diesem Wettbewerb nicht schafft, heißt es nicht, dass sie es nirgendwo zu etwas bringt.
Jedes Mädchen, sei es noch so jung, muss an sich glauben und versteckte Talente entdecken.

Was war bei Ihnen der Stein des Anstoßes? Wie sind Sie zum Modeln gekommen?

Ich bin in Miami auch von Elite Models entdeckt worden. Damals war ich sechzehn.
(Lacht) Oh mein Gott, das ist schon zehn Jahre her!
Das Witzige daran war, dass ich nie hauptberuflich Model werden wollte. Ich war in Miami um zu studieren. Das Studium habe ich durchgezogen und modelte eher nebenbei um eine kleine Einnahmequelle zu haben. Meine Hauptbeschäftigung war das Modeln nie.

Was muss ein Mädchen für Voraussetzungen mitbringen, um nicht nur ins Modelbusiness einzusteigen, sondern sich auch für eine gewisse Zeit oben halten zu können?

(c) Foto: Christoph Ewering

(c) Foto: Christoph Ewering

Ich denke es ist klar, dass das Mädchen erst einmal gewisse Grundvoraussetzungen zu erfüllen hat:
das Alter muss stimmen, es sollte die richtigen Maße haben. Aber vor allem ist eine gewisse Mindestkörpergroße Pflicht.
Ausnahmen kann da nur ein weltweit begehrtes Topmodel wie Kate Moss bilden. Aber sie hat ja auch eine Märchenkarriere hingelegt.

Ob das Mädchen abgesehen davon das Potenzial hat, das große Geld zu machen und sich lange erfolgreich zu halten, kann man nur sehen, aber nicht erklären.
Die Frage nach der Magie, die ein wahres Topmodel von einem Model unterscheidet, wird mir interessanterweise immer wieder gestellt, und es ist für mich sehr schwer zu beantworten.

Es geht um dieses schwer beschreibbare “gewisse Etwas”, das entweder da ist oder nicht. Wenn jemand mit diesem “Etwas” vor mir steht, erkenne ich es. Wirklich benennen kann ich es jedoch nicht.

Deutschland konnte bei Germany’s Next Topmodel Modelanwärterinnen auf ihrem Weg zum “Topmodel” beobachten.
Die Sendung hatte den Anspruch, hinter die Kulissen des Modelbusiness und eines Modellebens blicken zu lassen.
Wie ist Ihre Einschätzung - war Germany’s Next Topmodel realistisch, oder sieht das Geschäft in Wirklichkeit ganz anders aus?

Zunächst muss ich sagen, dass ich ein großer Fan der Sendung bin und jede Folge wie gebannt mitverfolgt habe.
Natürlich fiebert man mit, doch es darf nicht vergessen werden: letztendlich ist Germany’s Next Topmodel eine Fernsehsendung.
Im Gegensatz dazu ist so ein Casting wie hier die “reale Welt”. Dies ist das wahre, knallharte Modelbusiness. Hier geht es um alles oder nichts.
Bei uns haben die Mädchen eine Chance sich auf internationaler Plattform bei einer großen Kampagne in China einen Namen zu machen und einen Zweijahresvertrag abzustauben.
Bei Germany’s Next Topmodel ist das etwas anders und man erlangt eben nur auf nationaler Ebene einen gewissen Bekanntheitsgrad.

(c) Foto: Christoph Ewering

(c) Foto: Christoph Ewering

Kann man alleine mit einer großen Modelkarriere glücklich werden oder füllt einen das Leben als Model seelisch nicht genug aus?

Ich kann da leider nicht für andere Models sprechen. Naja, natürlich ist der Beruf des Models, wenn man Karriere macht, wunderschön: man sieht viel von der Welt, lernt unzählige Leute kennen, darf in großen Kampagnen wundervolle, teure Sachen vorführen.
Für mich persönlich jedoch war es nicht genug. Ich wollte studieren, ich wollte eine gute Ausbildung abschließen - das war mein Weg.
Aber jedes Mädchen hat einen anderen Weg. Von daher kann ich das nicht beurteilen und möchte auch niemandem seinen Werdegang vorschreiben.

Wie sieht ihr Terminplan für die nächsten Wochen aus? Gibt es wieder konkrete Modeltermine?

Ja, ich model die ganze Zeit! Von daher ist es nichts, was konkrete Termine erfordert. Wenn Anfragen kommen, stehe ich auf der Matte. Ich habe mein Buch, meine Sedcard - aber einen speziellen Plan gibt es in meinem Leben nicht.

Fotos: Christoph Ewering

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30. Juni 2009 | Autor: Anna Aridzanjan | Kategorie: Interviews

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